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Entstehung, Therapie und Pflege der Acne vulgaris

In der täglichen kosmetischen Praxis spielen die unterschiedlichen Ausprägungen von Hautunreinheiten eine große Rolle. Für das Erstellen einer erfolgreichen Behandlungsstrategie ist es zunächst wichtig, die Form der Hautunreinheiten genauer zu spezifizieren. Da es sich bei der Akne um eine Krankheit handelt gehört die Behandlung, je nach Ausprägungsform in die Hände von dermatologischem Fachpersonal. Zudem nimmt die Kosmetik einen wichtigen Part bei der Hautreinigung und des Pflegeregimes ein.

Von der gut definierten klassischen Akneform Acne vulgaris müssen Sonderformen und Differenzialdiagnosen durch eine*n Dermatolog*in abgegrenzt werden und sind nicht Gegenstand in diesem Artikel.

Acne vulgaris

Die Akne im Jugendalter ist mit fast 100 % die häufigste Dermatose dieser Altersgruppe. Der Schweregrad variiert individuell sehr stark, wobei eine genetische Disposition für die jeweilige Ausprägungsform oft relevant ist. Etwa 60 % sind milde Verläufe, mit nur wenigen Effloreszenzen (Komedonen und Entzündungserscheinungen), wobei die körperliche und seelische Befindlichkeit nicht oder nur wenig beeinträchtigt wird. Es bedarf keiner verschreibungspflichtigen Behandlung und kann gut und erfolgreich mit kosmetischen Maßnahmen, wie Ausreinigungsbehandlungen, Fruchtsäurepeelings und entsprechenden Pflegeprodukten verbessert werden. Es wird hier vom physiologischen Akne-Typ gesprochen.

Bei der Mehrzahl der Betroffenen erfolgt nach der Pubertät eine spontane Rückbildung ohne Narben. Die anderen 40 % stellen den sogenannten klinischen Akne-Typ dar, deren Krankheitsverlauf akut, bis chronisch, wellenartig oder entzündlich verlaufen kann, woraus meist eine Narbenbildung resultiert, welche häufig mit einer starken psychischen Belastung einhergeht.

Eine ärztliche Diagnostik, die den Schweregrad der Krankheit festlegt, um eine verschreibungspflichtige topische (äußere) oder systemische (innerliche) Therapie festzulegen, ist hier erforderlich, um eine Besserung oder Heilung zu erreichen.

Die häufigste Form der Akne ist die milde bis mittelschwere Acne vulgaris, die in der zweiten Lebensdekade und manchmal auch nach der Pubertät auftritt. Darüber hinaus ist ein Anstieg der Zahl von Betroffenen jenseits des klassischen Aknealters zu beobachten. Man spricht dann von der Spätakne der sogenannten Acne tarda. Mehr dazu erfahren Sie im Blogartikel Akne (tarda) – Professionelle Unterstützung im Kosmetikinstitut.

Wie entsteht Akne?

Für die Art und Ausprägung der Hauterscheinungen ist das Zusammenspiel verschiedener Faktoren von großer Bedeutung. Vereinfacht gesagt handelt es sich bei der Akne um eine Überempfindlichkeit der Haut auf die Sexualhormone, deren Produktion in der Pubertät einsetzt. Testosteron nimmt in der Pubertät seine Funktion auf und stimuliert unter anderem die Talgdrüsen.

Mädchen sind aufgrund ihres Geschlechts zwar auch betroffen aber meist weniger stark als Jungs. In dieser Lebensdekade ist der Hormonhaushalt noch nicht ausbalanciert, was zu einer vermehrten Talgproduktion (Seborrhoe) führen kann. Über die Blutbahn gelangt Testosteron an die Talgdrüsen, wo sich eine hohe Rezeptordichte/Andockstelle für das Hormon findet. Es kommt zu einer verstärkten Stimulation der Talgdrüsen, so dass diese an Größe zunehmen. Die Haut wird großporig, ist ölig und glänzt. Gleichzeitig kommt es zu einem erhöhten Zellumsatz, zu einer gestörten, vermehrten follikulären Zelldifferenzierung.

Wir sprechen hier von einer Verhornungsstörung (Hyperkeratose) im Ausführungsgang des Talgfollikels. Die Verhornung der Zellen ist durch einen Mangel an der essentiellen Fettsäure (Linolsäure) zusätzlich gestört, wodurch eine normale Abschuppung der Hornzellen verhindert wird.

Die äußere Hautschicht sowie der Follikelkanal verdicken sich, so dass der Talgabfluss behindert wird, die Grundeffloreszenzen der Akne ein Mitesser (Mikrokomedo) entsteht.

Die Sammlung von Talg- und Hornbestandteilen bilden einen guten Nährboden für eine mikrobielle Hyperkolonisation. Hier spielt das Propioniebakterium acnes eine große Rolle. Auch bei einer gesunden Haut findet sich dieses Bakterium, nur in einer geringeren Anzahl auf der Haut. Das Propionibakterium produziert fettabspaltende Enzyme (Lipasen), die aus den Talg-Triglyceriden freie Fettsäuren spalten, welche wiederum proinflammatorisch wirken, d. h. sie fördern die Bildung von Komedonen und Entzündungen. Auf den Bakterienüberschuss und deren Abbauprodukten reagiert das Immunsystem mit einer Entzündungsreaktion in Form von Pusteln und Papeln. Sogenannte Entzündungsmediatoren (Zytokine) werden freigesetzt. Durch den Talgüberschuss kommt es zusätzlich zu einem Anstieg des pH-Wertes auf der Haut in Richtung neutralen Bereich, wodurch zusätzlich ein optimaler Lebensraum für die Vermehrung der Bakterien geschaffen wird. „Tor und Tür“ sind für Entzündungen geöffnet. Das bedeutet, die Haut verliert auch ihren physiologischen Eigenschutz zur Abwehr von schädlichen äußeren Einflüssen.

Fazit

An der Entstehung der Akne sind im Wesentlichen drei Faktoren beteiligt:

  1. Ungleichgewicht des männlichen Sexualhormons Testosteron
  2. gestörte follikuläre Hyperkeratose
  3. Mikrobielle Hyperkolonisation, mit daraus resultierenden, variierenden Entzündungsreaktionen des Immunsystems

Weitere Einflüsse können den Verlauf der Akne beeinflussen:

  • bei Frauen, ein unregelmäßiger Menstruationszyklus und Schwangerschaft
  • im Einzelfall UV-Strahlung, Umweltfaktoren, Klima
    Stressfaktoren
  • Nikotin
  • Ernährung (Milchprodukte und Lebensmittel mit einem hohen glykämischen Index werden diskutiert)
  • Kosmetika mit sog. komedogenen Inhaltsstoffen

Die Auswahl eines Behandlungskonzeptes ist von der exakten Klassifikation der Akne und der Einordnung des Schweregrades abhängig.

Welche Möglichkeiten der Behandlung gibt es?

Medizinisch-dermatologisch

Eine schwere bis sehr schwere Form der Akne gehört immer die Hände eines Dermatologen/einer Dermatologin. Diese verordnen dann eine topische oder systemische Therapie.

Zur Therapiebegleitung sind Ausreinigungsbehandlungen („Akne-Toilette“) in Kombination mit Enzym- oder Fruchtsäurepeelings eine sinnvolle Ergänzung. Durch eine*n gut geschulten Kosmetiker*in werden unter hygienischen Bedingungen Mitesser (Komedone) entfernt und bestehende Pusteln vorsichtig mit einer medizinischen Lanzette eröffnet, um eine schnelle Abheilung zu unterstützen.

Häufige Nebenwirkungen der medikamentösen Therapien können eine zunehmende Trockenheit (Xerosis), mit einhergehender Rötung, Schuppung und Spannungsgefühl der Haut sein. Eine angepasste Begleitpflege, wie z. B. eine pH-Wert regulierende, nicht austrocknende Reinigung und ein leichtes, beruhigendes Feuchtigkeitsgel kann hier hilfreich sein und die Beschwerden kompensieren.

Topische/äußere Therapie

Therapeutika mit unterschiedlichen Wirkansätzen:

  • Azealinsäure/antibakteriell und leicht keratolytisch
  • Benzoylperoxid (BPO)/antibakteriell, keratolytisch
  • Retinoide (Tretinoin, Isotretinoin)/entfetten der Haut, keratolytisch
  • Adapalen/komedolytisch, normalisiert die Abschuppung der Haut
  • Antibiotika/antibakteriell

Bei der topischen Therapie wird meist nur bei der milden Erscheinungsformen der Akne ein Einzelwirkstoff verordnet. Während bei schwereren Verlaufsformen Kombinationen mit schälender, antibakterieller und talgreduzierender Wirkung verordnet werden.

Systemische/innere Therapie

  • Antiandrogene/Anitbabypille (nur für Frauen geeignet)
  • Isotretinoin/bei schweren Verlaufsformen (es sind engmaschige Laborkontrollen der Leberwerte erforderlich und Frauen dürfen wegen der Fruchtschädigung nicht schwanger werden)
  • Kortikoide/bei schweren Verlaufsformen wie die Acne conglobata in Kombination mit Isotretinoin und topischer Therapie

Kosmetische Ansätze der Aknebehandlung

Eine milde bis moderate Akne lässt sich mit der richtigen Auswahl der Treatments und entsprechender Homecare gut behandeln.

Aknetherapie – basierend auf drei Säulen

1. Medizinische Therapie

  • Diagnosestellung durch den Dermatologen
  • Verschreibungspflichtige Medikamente/Externa
  • Medizinische Peelings
  • Ausreinigungsbehandlung

2. Kosmetisch-begleitende Maßnahmen

  • Ausreinigungsbehandlung
  • Kosmetische Peelings
  • Microdermabrasion, wenn keine entzündlichen Läsionen vorhanden sind
  • Ultraschall zum Einbringen von Wirkstoffen in die Haut, wenn keine entzündlichen Läsionen vorhanden sind (Wirkverstärker)
  • Lymphableitende Massagen
  • Pflege- und Ernährungsberatung

3. Pflegeprodukte mit Wirkstoffen die der Hautproblematik entgegenwirken

  • Glykolsäure, Salizylsäure = keratolytisch, desinfizierend, Komedonen lösend, pH-Wertregulierend, regenerierend
  • Boswellia, Panthenol, Heilerde und Aloe Vera wirken entzündungsmindernd
  • Sägeblattpalmenextrakt, Brennnessel, Ackerschachtelhalm, Klettenwurzelextrakt wirken sebumbalancierend
  • Hyaluronsäure spendet Feuchtigkeit

Behandlungsziel

  • Verringerung der Hyperkeratosen
  • Entfernung der Komedonen
  • Durch pH-Wertregulierung Reduzierung der Hyperkolonisation von Mikroorganismen auf der Haut
  • Minderung von Seborrhoe und Entzündungen
  • Narbenprophylaxe

AESTHETICO eine große Auswahl entsprechender Treatment-Optionen, die sich von den üblichen – nicht medicosmetischen Kosmetikbehandlungen – deutlich absetzen. Fragen Sie in Ihrem Institut nach und entwickeln Sie gemeinsam mit ihrer*m Kosmetiker*In ein für Sie hautypgerechtes Pflegekonzept.

Fazit

Diagnose „Akne“ in ihren unterschiedlichen Facetten und Nebenerscheinungen ist kein Schicksal, dass einfach nur hinzunehmen ist. Nach einer Diagnosestellung braucht es Geduld, da sich die Erkrankung nicht von heute auf morgen bessert. Akne-Betroffenen kann mit einer Kombination aus medizinischer Therapie und medicosmetischen Behandlungen sowie der richtigen Hautpflege gut geholfen werden.

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